Coverrelease „Der tote Prinz“ von Katherina Ushachov

Coverrelease „Der tote Prinz“ von Katherina Ushachov

Nach unserem Abstecher in die Grimmsche Märchenwelt mit dem 15. Buch der Märchenspinnerei führt uns Katherina Ushachov nun nach Afrika, das hier allerdings russische Wurzeln hat. Nach ihrem Debüt „Zarin Saltan“ adaptiert sie mit „Der tote Prinz“ zum zweiten Mal ein Märchen von Alexander Sergejewitsch Puschkin. Statt ins frostige Russland geht es dieses Mal jedoch nach Kamerun.

Cover Der tote Prinz

 

Klappentext

Ein toter Jüngling.
Ein sprechender Spiegel.
Eine zerstörte Erde.

Verseuchte Luft, haushohe Müllberge und rivalisierende Warladys, von denen eine ihre Mutter ist: Das ist Elessas Welt. Jeder Schritt draußen kann den Tod bedeuten. Dennoch verlässt sie den Schutz des heimischen Palastes auf der Suche nach dem Mann, den sie eigentlich nie heiraten wollte. Die Alternative zu Dario jedoch, sein Stiefvater, wäre weit schlimmer. Der erschlich sich durch Mord seinen Platz als heimlicher Herrscher der rivalisierenden Familie und bedroht nun auch Elessas Heimat. Um ihm zu entgehen, folgt Elessa der einzigen Spur, die sie hat: den Worten eines mechanischen Spielzeugs aus längst vergangener Zeit.
Ist Dario wirklich tot und damit das nächste Opfer des ruchlosen Stiefvaters oder steckt wirklich Hoffnung in diesem einen Wort, das die Maschine für Elessa hat?

„Die tote Prinzessin und die sieben Recken“ einmal anders. Katherina Ushachov versetzt Puschkins Märchen in eine düstere Zukunft und erzählt im 16. Buch der Märchenspinnerei die Geschichte eines mutigen Mädchens – in den Überresten einer Gesellschaft, erbaut aus unserem Müll.

 

Warum gerade „Die tote Prinzessin“?

Genauer gesagt – warum ausgerechnet die Version von A. S. Puschkin und nicht das weitaus bekanntere Grimm’sche Schneewittchen?

Weil dies das Märchen ist, mit dem ich aufgewachsen bin. Schneewittchen wurde zwar ebenfalls vorgelesen – meist von der Großmutter mütterlicherseits –, aber im Elternhaus waren es Puschkins Reime. Außerdem fehlen in dieser Fassung etliche Elemente, die ich an Schneewittchen reichlich creepy finde: Statt eines vollkommen zufällig dahergelaufenen Kerls, der mal eben einen Sarg mit einem toten Kind mit auf sein Schloss nimmt (und dessen Dienstbot*innen in der nicht verniedlichten Fassung auf das Kind einprügeln), haben wir in der russischen Variante die Queste des Verlobten auf der Suche nach der Frau, die sich ihm versprochen hat.

Dafür hat diese Version ihre eigenen Creeps in Form der sieben Recken, die mal eben bei Tagesanbruch ins Schlafzimmer der Prinzessin stolzieren und sie bedrängen, einen von ihnen zu heiraten. Nur die Tatsache, dass der Platz bereits von einem anderen Mann besetzt ist, wird als Gegenargument akzeptiert.

Brrr.

Als Kind habe ich die Düsternis dieses Märchens sehr geliebt. Wenn man bedenkt, dass ich mit zehn fast nur schwarz getragen habe, wundert es mich nicht, dass ich mit fünf die Geschichte einer Schönen im Glassarg sehr gemocht habe.

 

Vertauschte Geschlechterrollen

Wie am Klappentext und Titel ersichtlich, ist es bei mir allerdings ein schöner Jüngling, der in einen todesähnlichen Schlaf fällt, und eine junge Frau, die sich auf die Suche nach ihrem Verlobten macht.

Warum ich die Rollen vertauscht habe, lässt sich im Nachhinein nicht zu 100% sagen (und ich habe es dummerweise nirgendwo aufgeschrieben), aber es reizte mich unter anderem, zu zeigen, dass schöne Menschen nicht automatisch gute Menschen sind. Dieses Narrativ ist immer noch sehr verbreitet und tief in den Köpfen drin. Vermutlich ist darum eine besonders herzensgute Figur von mir mit abgrundtiefer Hässlichkeit gestraft worden. Oder dass viele Verhaltensweisen nicht am zugewiesenen Geschlecht, sondern an der mit diesem Geschlecht einhergehenden Erziehung hängen.

Dann tut auf einmal ein Mann das, was man gemeinhin in dieser Gesellschaft Frauen vorwirft: mit Hilfe seiner Schönheit und perfider Intrigen an die Macht zu gelangen.

Angeboren oder anerzogen? Eine ewige Debatte, eingebettet in eine Geschichte, die angesichts von #FridaysforFuture wohl aktueller denn je ist.

 

Ich hoffe, diese kurzen Einblicke in „Der tote Prinz“ haben euch neugierig gemacht und ihr seid nun genauso gespannt wie ich auf die baldige Veröffentlichung!

 

Alles Liebe

Eure Katherina


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