Der Hass der Menge – wenn soziale Medien krank machen

Der Hass der Menge – wenn soziale Medien krank machen

Der Axolotlkönig setzt sich auch mit Facebook kritisch auseinander

Im ersten Band der Märchenspinnerei geht es ja schon ganz schön zur Sache. Von Beginn an war es unser Ziel, die Märchen nicht nur neu zu adaptieren, sondern eben auch ernsten Themen zu verbinden. Was früher also „Die Moral von der Gescht‘ …“ war, versuchen wir Spinnerinnen ganz natürlich in unsere Texte mit einzuweben. Der Axolotlkönig bringt da gleich mehrere Aspekte mit, die auch im realen Leben stark miteinander verzahnt sind: Cybermobbing, soziale Medien, Depressionen und selbstverletzendes Verhalten.

Keine Themen für ein fantastisch angehauchtes Jugendbuch möchte man meinen. Doch warum nicht? Jedes Genre kann sowohl unterhaltend als auch lehrreich sein, und bekanntlich lernen grade junge Menschen am besten, wenn es Spaß macht, sich mit Neuem auseinanderzusetzen. Darum darf diese Variante vom Froschkönig witzig-leicht und nachdenklich zugleich sein.

Cover der Axolotlkönig

Protagonistin Leonie ist das Paradebeispiel eines introvertierten Teenagers

Sie ist schlau, sie liebt Bücher, steht auf alternative, bunte Klamotten und Mittelalter-Punkrock. Von einer Leserin musste ich mir deswegen sogar vorwerfen lassen, sie wäre „so klischee alternativ, dass sie natürlich das klassische Mobbingopfer gibt“.

Allein, dass so ein Satz geschrieben wird, ja, überhaupt in den Köpfen der Menschen existiert, war für mich ein Grund, dieses Buch mit diesen Themen zu schreiben. Denn wer bitte bestimmt, welches das Klischee ist, das man mobben darf?

Die Psychologie hinter Mobbing ist meist simpel und die Täter wissen auch nicht immer, was sie da eigentlich tun. Sie wollen oft nur eigenen Frust abbauen, Überlegenheit zeigen, sich stärker und besser fühlen, weil es ihnen selbst an Zuwendung, Beachtung oder Selbstwert mangelt.

Was kleine Gemeinheiten dabei auf Dauer für Auswirkungen haben, ist oft nicht bewusst. Deswegen nochmal: NEIN! Ein Mensch mag in ein bestimmtes Klischee passen (denn auch Klischees existieren ja nicht ohne Grund). Dennoch hat niemand das Recht, ihn deswegen zu hänseln und an den Pranger zu stellen.

Unsere modernen Medien potenzieren den Druck, der auf die Opfer einwirkt.

Gerade die interaktiven ‚sozialen‘ Kanäle wie Facebook, Twitter und Instagram halten einem die eigene Beliebtheit anhand von Klicks, Herzchen, Däumchen und diversen Smileys immer wieder vor Augen.

Früher konnten Kinder, die in der Schule gemobbt wurden, dem Ganzen entfliehen, indem sie sich in ihre Komfortzone Zuhause retteten. Heute ist es fast unmöglich für junge Menschen, dem stetig stattfindenden Beliebtheitswettbewerb zu entgehen.

Psychologen sagen: Auf jede negative Erfahrung braucht unser Gehirn drei positive, um es wieder auszugleichen. Man stelle sich also vor, was geschieht, wenn stets Spott und Häme und Intoleranz auf einen einprasseln. Vielleicht ist das mit ein Faktor, warum es in unserer heutigen Zeit mehr psychische Erkrankungen gibt als früher, mehr unzufriedene Menschen und unglückliche Teenies. Die Standards, mit denen man sich vergleicht, werden immer höher.

In einer Zeit in der alle Medien proklamieren „Sei das nächste Supermodel, sei der nächste Popstar, sei ein Influencer oder ein Internethype“ möchte der Axolotlkönig eigentlich nur eine Message senden:

Sei du selbst, liebe dich für das, was du bist, und lerne, andere auch mal mit deren Augen zu sehen.

Vielleicht entdeckt dann mancher eine ganz neue Welt. So wie Axolotl-Fynn vom Grunde seines Aquariums.

 

Von Sylvia Rieß


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