Ein Blick in den magischen Spiegel: Interview mit Katherina Ushachov

Ein Blick in den magischen Spiegel: Interview mit Katherina Ushachov

Keine zwei Wochen mehr bis Weihnachten und wir hoffen, dass ihr bereits den Großteil aller Geschenke zusammenhabt. Um für ein wenig Entschleunigung zu sorgen haben wir die nächste Folge von „Ein Blick in den magischen Spiegel“ für euch. Heute durfte Katherina Ushachov die 13 Fragen für euch beantworten. Also, sucht euch ein ruhiges Plätzchen und viel Spaß beim Lesen.

 

13* Fragen an die Märchenspinner*innen

Autor*innenfragen

1. Was ist für dich die größte Herausforderung beim Schreiben?

Jedes Mal was anderes. Im Ernst, jedes einzelne Projekt hat eigene Tücken – manchmal sind es welche, die bei mir liegen. Beispielsweise, dass durch mein entdeckendes Schreiben auf einmal mittendrin ein Recherchefehler drinsteckt. Oder dass ich zwar genau weiß, worauf ich hinaus will, aber meine Figuren nicht das Gleiche wollen wie ich.
Manchmal sind es externe Einflüsse. Je mehr Dinge schiefgehen, die ich nicht selbst beeinflussen kann, desto weniger habe ich den Mut, an einer Geschichte zu arbeiten, deren Zukunft ungewiss ist. Aber bisher hat sich noch alles irgendwie lösen lassen.

2. Was machst du (haupt-)beruflich und wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu  bringen?

Hauptberuflich lektoriere ich die Bücher von anderen. Das passt recht gut zusammen – bis 16:00 die Bücher der anderen bearbeiten und nach einer Kaffeepause dann mich um meine eigenen kümmern. Und mindestens einen Tag pro Woche auch mal nur eigene Geschichten bearbeiten. Das beißt sich bei mir nicht.

3. Was hat dich letztlich dazu gebracht, dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Das war 2009 und es war ein Zufall. Meine Deutschlehrerin hat mich mit einer anderen Person bekannt gemacht, die auch schrieb und die hat mir erzählt, es gäbe bei Tchibo Gutscheine für Books on Demand. Also sind meine Eltern hingedackelt und ich habe mit 18 eine Auswahl an gesammelten Werken veröffentlicht. In Kurzform also: 40€ und „Weil ich es kann“.
Mein erstes richtiges veröffentlichtes Buch, das nicht aus jugendlicher Überschätzung entstand, war dann „Zarin Saltan“ im Rahmen der Märchenspinnerei und die Gemeinschaft hat auf alle Fälle dazu beigetragen, dass ich mir das Abenteuer „Selfpublishing“ zugetraut habe. Ich war mir damals (2016) sicher, dass ich das nicht schaffen kann, dass ich dringend den Support und das Know-How eines Verlags brauche, um irgendwas zu bewerkstelligen.
Die Märchenspinnerei hat mir gezeigt, dass ich nicht zu schwach fürs Selfpublishing bin. (Was nicht heißt, dass ich nicht gern mit Verlagen zusammenarbeite. Im Gegenteil. Aber es ist empowernd, zu wissen: Ich kann beides.)

4. Welche Ziele willst du dieses Jahr in deinem Autor*innenleben erreichen?

2022 wird ein Jahr, in dem sehr viele Dinge fertig werden.
Der dritte Band meiner Light-Novel-Reihe „Stahllilie“ liegt lektoratsfertig beim Verlag, ich habe ein weiteres Projekt bei einem anderen Kleinverlag untergebracht und natürlich werde ich wieder am NaNoWriMo teilnehmen [Anmerkung: Das Interview hat vor November stattgefunden]. Auch wenn ich noch nicht weiß, womit.
Außerdem werde ich wie jedes Jahr an so vielen Ausschreibungen wie möglich teilnehmen und versuchen, meine Kurzgeschichten zu veröffentlichen.

Projektfragen

5. Wie lange braucht es bei dir von der Idee im Kopf, bis diese auf dem Papier landet, und wie lange schreibst du in etwa an einer Geschichte?

Das ist extrem unterschiedlich. Manche Grundkonzepte habe ich seit 2005 im Hinterkopf und es gibt ein Manuskript, an dem ich gerade arbeite, dessen ursprüngliche Idee von 2011 stammt. Zwischen „Ich habe die Idee gestern gehabt und sofort losgelegt“ und „Ich habe mehr als ein Jahrzehnt gebraucht, um aus der Idee tatsächlich ein Buch zu brauchen“ ist alles dabei.
Ebenso variabel ist die Schreibdauer.
Ich glaube, das Kürzeste waren zwei Wochen für die Rohfassung einer noch unveröffentlichten Novelle und das Längste … rund ein Jahr für mein erstes fertiges Buch im Teeniealter. Damit sind die Geschichten aber lediglich in Rohfassung fertig, es kommt also noch ganz schön viel Feinarbeit dazu.

6. Bei welchem Ereignis aus einer deiner Geschichten wärst du gern dabei gewesen?

Ich glaube, im Publikum von „Zarin Saltan“ zu sitzen, bei der Fernsehshow, wäre ganz witzig gewesen. Die Moderatorin aus dem Buch ist der realen nachempfunden. Ansonsten würde ich meist eher um die Ereignisse einen hohen Bogen machen.

7. Würdest du gerne mal mit einer*m deiner Protagonist*innen tauschen? Wenn ja, mit wem?

Nicht aus einer bereits erschienenen Geschichte jedenfalls. Bei einer künftigen … vielleicht in Teilaspekten? Aber eigentlich mag ich mein eigenes Leben behalten.

8. Kannst du dich noch erinnern, wann und wie du auf die Idee für deine letzte (oder eine deiner anderen) Geschichte(n) gekommen bist?

Leider notiere ich mir das viel zu selten, sodass ich es fast nie rückwirkend noch feststellen kann, wo genau die Idee eigentlich herkam. Eine der wenigen Geschichten, die nachverfolgbar wären, ist „R0mEO und Julz“, meine Shakespeare-Adaption. Da gab es einen konkreten Online-Zeitungsartikel darüber, wie sich Fans von zwei YouTube-Influencer*innen zu einer Prügelei getroffen haben. (Ironischerweise ist genau dieser Teil, nämlich die Prügelei, dann ersatzlos aus dem Plot gestrichen worden.)

 

Fragen an die Protas

Karell aus „Zwergenschatz“

9. Gibt es etwas, das du deiner*m Autor*in schon immer mal ungeniert um die Ohren hauen wolltest? Raus damit!

„Ich wollte mich doch einfach nur zur Ruhe setzen und Gutes tun. Musste das mit diesem einen Abenteuer echt noch sein? Ich meine, du wusstest schließlich, was für mich auf dem Spiel steht!“

10. In welche andere Buchwelt würdest du sofort auswandern, wenn du könntest und warum? Oder bleibst du doch lieber in deiner eigenen Geschichte?

„Ich bleibe in meiner eigenen Geschichte. Ich habe ja Pläne für die Zeit danach und würde die gerne umsetzen. So reizvoll es wäre, auszuwandern und irgendwo zu leben, wo es für Zwerge ein bisschen schöner ist – beispielsweise in Mittelerde – ich habe hier in dieser Welt noch sehr viele Dinge zu erledigen und würde es bereuen, die anderen im Stich zu lassen.“

 

Märchenhaftes

11. Wenn du 24 Stunden lang eine Märchenfigur sein könntest, welche Märchenfigur wärst du dann gerne?

Wenn es nur 24 Stunden wären und ich danach wieder ich selbst sein dürfte, wäre ich gern der Sohn aus dem Märchen „der Gaudieb und sein Meister“. In einem Tag könnte ich mir bestimmt ein paar Zauber abschauen, die ganz praktisch wären. Oder wenigstens einen? Und ich wüsste ganz sicher, dass ich diesen Tag auch überlebe.

12. Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir wünschen?

Oh Hilfe.
Ich bin ja schon mit einem Wunsch überfordert. Und gibt es Einschränkungen? Darf ich mir nur was für mich wünschen oder für die ganze Welt?
Also wenn mir ein Feenwesen sagen würde „Hier hast du drei Wünsche“, müsste ich erst einmal sehr präzise erfahren, in welchem Wirkungsbereich ich mir Dinge wünschen darf und ob es sich um ein „Swooshdiwoosh, dein Wunsch ist erfüllt“ handelt oder ob ich beispielsweise mit dem unschuldigen „Ich hätte gern, dass diese Pandemie vorbei ist“ ein noch größeres Desaster auslöse … (Sowas wie „Die Pandemie ist vorbei, wir haben die Menschheit einfach ausgerottet, jetzt gibt es nur noch dich und mich“. Vielleicht habe ich aber auch zu oft das Forenspiel „Böse Fee“ gespielt, bei dem es darum geht, dass dein Wunsch zwar erfüllt wird, es aber irgendwelche wirklich üblen Konsequenzen hat.)
Jedenfalls würde ich mir erstmal die präzisen Bedingungen der drei Wünsche sagen lassen, mir Bedenkzeit erbitten und dann zusehen, dass ich im Maße der Einschränkungen was Sinnvolles wünsche.

 

Zukünftige Projekte

13. Welche Themen sollten deiner Meinung nach noch in einer Märchenspinnerei-Adaption verarbeitet werden?

Ich glaube, es gibt kein Thema, das nicht irgendwie in eine Adaption einfließen könnte. Da draußen gibt es sehr viele Dinge, zu denen in Form von Märchen ein Kommentar geschrieben gehört. Ableismus wäre so ein riesiges Feld. Neurodivergenzen aus der Perspektive von Betroffenen. Geschichten über Leute, die nicht dya, cis, hetero, neurotypisch, weiß, mitteleuropäisch sozialisiert sind.
Einiges davon haben die Adaptionen bereits aufgegriffen, aber es gibt einfach so viele Facetten wie es Menschen gibt und somit kann es nie genug Bücher geben.

 

Das war es leider schon wieder mit unserem „Blick in den magischen Spiegel“. Aus Katherinas umfangreichen Antworten gab es ziemlich viele Insights in ihr Autorinnenleben. Wer nun noch mehr über ihre Bücher erfahren möchte, kann dies hier tun.

Bis zum nächsten Mal und eine schöne restliche Vorweihnachtszeit!

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